Antidepressiva – ungeahnte Effekte der  medikamentösen Therapie

Antidepressiva – ungeahnte Effekte der medikamentösen Therapie

Dass Antidepressiva, vor allem die der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), bei Depressionen helfen und vergleichsweise wenig Nebenwirkungen haben, ist vielen bekannt. Dass dieselben Medikamente aber auch für weitere Erkrankungen eingesetzt werden und Schattenseiten haben, wird oft verdrängt. So können sie unter anderem eine potentielle antidementive Wirkung haben, was hinsichtlich der Verdopplung des Demenzrisikos bei einer vorliegenden Depression durchaus positiv ist (1); gleichzeitig bergen sie jedoch Effekte wie eine erhöhte Mortalität bei Tumorpatienten.

Weiterhin kann durch Studien belegt werden, dass die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer nicht nur antidementiv wirken, sondern einer entstehenden Demenz entgegenwirken können. So konnte nachgewiesen werden, dass Patienten, im Schnitt etwa 3 Jahre später an einer Demenz erkranken, wenn sie über eine Dauer von mindestens 4 Jahren mit SSRI behandelt wurden, als solche, die mit einem anderen Antidepressivum behandelt wurden.

Eine weitere Nebenwirkung, die durch SSRI auftreten kann, sind sexuelle Dysfunktionen. So leiden etwa 50-70% der Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, an einer sexuellen Funktionsstörung; diese kann zum Einen durch die Depression an sich bedingt sein, aber auch durch die Behandlung mit SSRI ausgelöst oder verschlimmert werden (2). 

So eine Funktionsstörung kann sowohl kurzfristig als auch langfristig vorhanden sein. 

Zu beachten ist, dass eine solche Störung nicht nur während einer Behandlung auftreten kann, sondern auch nach Beendigung und mit Absetzen des Medikamentes. So sind etwa  35% wahrscheinlich von einer Post-sexuellen Dysfunktion betroffen, 5% betreffe diese Störung mit Sicherheit (3). Eine solche Störung tritt häufiger bei Männern auf (3). Frauen hingegen leiden eher unter einer Persitis Genital Arousal Disorder, was so viel bedeutet, als dass eine anhaltende sexuelle Erregung besteht, welche auch durch einen Orgasmus nicht zurück geht. 

Neben der Wirkung auf Demenz und die sexuelle Funktion, weisen Studien auch auf eine Beeinflussung des Knochenstoffwechsels durch SSRI hin. So altern Personen mit einer Depression oft fünf bis zehn Jahre schneller und weisen ein erhöhtes Risiko einer Fraktur auf (4).

Wie bereits zu Beginn erwähnt, wird das Antidepressivum SSRI auch bei Tumorpatienten verwendet. Ausschlaggebend hierfür ist die hohe Rate an Patienten, die gleichzeitig an einer Depression leider; so sind hiervon etwa 15-25% der Tumorpatienten betroffen. Da bewiesen wurde, dass dieses Antidepressivum bei Tumor- oder Krebserkrankungen hilfreich ist, kommen diese Medikamente oft zum Einsatz (5). Außer Acht wird hier jedoch die Zusammensetzung des Medikamentes gelassen – denn ein Bestandteil der SSRI wirkt sich positiv auf den Tumorwachstum aus und beschleu nigt somit den Krankheitsprozess.

Wichtig ist es, vor Beginn einer Behandlung darüber aufzuklären, dass das Antidepressivum der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer negative Emotionen gut unterdrückt, aber sich auch auf positive Gefühle und die sexuelle Funktion auswirkt.

Quellen

(1) Ownby RL, Crocco E, Acevedo A, et al.: Depression and risk for Alzheimer disease: systematic review, meta-analysis, and metaregression analysis. Arch Gen Psychiatry 2006; 63 (5): 530–8.

(2) Serretti A & Chiesa A. Treatment-emergent sexual dysfunction related to antidepres sants: a meta-analysis. J Clin Psychopharmacol. 2009 Jun; 29 (3): 259–66.

(3) Ben-Sheetrit J, Aizenberg D, Csoka A, et al.: Post-SSRI Sexual Dysfunction: Clinical Characterization and Preliminary Assessment of Contributory Factors and Dose-Response Relationship. J Clin Psychopharmacol 2015; 35 (3): 273–8.

(4) Bruun SB, Petersen I, Kristensen NR, et al.: Selective serotonin reuptake inhibitor use in hip fracture patients: a Danish nationwide prevalence study. Acta Orthop 2019; 90
(1): 33–9.

(5) DGPPN, BÄK, KBV, AWMF (Hrsg.) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression. S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung, 2.
Auflage. Version 5. 2015

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