Antidepressiva – beim Einstieg den Ausstieg planen
Antidepressiva Wirkung

Antidepressiva – beim Einstieg den Ausstieg planen

Antidepressiva zählen zu den am häufigst verschriebenen Medikamenten weltweit und können neben der Anwendung für Depressionen auch für andere Erkrankungen wie z.B. Angst- oder Zwangsstörung eingesetzt werden (1). Bei der Einnahme eines solchen Medikamentes kann es jedoch, wie bei anderen Medikamenten auch, zu unerwünschten Wirkungen kommen. Da sich die meisten Menschen bei dem Verwenden von Medikamenten  über eventuell auftretende Nebenwirkungen bewusst sind, konzentrieren wir uns in diesem Artikel auf die Phänomene, die nach dem Absetzen eines Antidepressivum auftreten können. So kann bei aufkommenden Symptomen nach Beendigung der Medikation zwischen Entzugssyndrom, Rebound-Phänomen und einer Rückkehr der Erkrankung unterschieden werden.

Antidepressiva Wirkung oder Nebenwirkung?

Ersteres entsteht durch ein zu schnelles Absetzen und kennzeichnet sich durch der Grunderkrankung ähnliche oder verschiedene Beschwerden wie z.B. Schwindel, Kopfschmerzen, Schlaf- und Kognitive Störungen, kardiale Störungen, Stimmungsschwankungen oder gastrointestinale Störungen (Erbrechen, Diarrhoe, etc.). Zu beachten ist hier, dass es zu einer raschen Besserung dieser Symptome kommt, sobald die Medikation wieder aufgenommen wird.

Die Rebound-Phänomene zeichnen sich durch eine Wiederkehr der krankheitsbedingten Symptome auf, wobei diese hier in einem stärkeren Ausmaß auftreten; zusätzlich kann es noch zum Hinzukommen von psychopathologischen Symptomen kommen (6). Auch sind betroffene von einem höheren Rückfallrisiko betroffen, als jene, die kein Antidepressiva eingenommen haben. 

Unter der Rückkehr der Erkrankung wird die Wiederkehr derselben krankheitsepisode bezeichnet.
Wichtig ist, dass bei auftretenden Symptomen nach Beendigung der Behandlung ein Arzt aufgesucht wird, damit dieser genau klären kann, welches Phänomen vorliegt – so erfordern alle drei eine andere Behandlung. 

Um die oben genannten Nebenwirkungen einer Absetzung der Antidepressiva zu vermeiden, ist ein langsames Absetzen notwendig. Die Dauer des Absetzens unterscheidet sich hierbei von Antidepressivum zu Antidepressivum. So bergen Paroxetin, Venlafaxin, trizyklische Antidepressiva und MAO-Inhibitoren ein erhöhtes Risiko für schwere Symptome nach einem raschen Abbruch (7, 12, 13, 14, 15, 19). Demgegenüber stehen Fluoextin und Agomelatin, bei welchen ein schneller Abbruch eher unbedenklich ist (7, 8, 20-22).
Die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls ist in den ersten sechs Monaten nach Beendigung der Behandlung (e28), besonders jedoch in den ersten zwei Wochen (11), am höchsten. Es wird angenommen, dass das Rückfallrisiko umso höher ist, desto länger das Medikament eingenommen wurde (e29); hierbei ist zu berücksichtigen, dass das Mittel mindesten einem Zeitraum von etwa 8 Wochen lang eingenommen wurde (e4, e9, e31-e33). Symptome treten hierbei unabhängig von der Grunderkrankung auf (e31, e34) und verstärken sich, desto mehr das Antidepressivum in das Gleichgewicht des Neurotransmittersystems im Gehirn eingegriffen hat. 

Bei einer Behandlung mit Antidepressiva ist es wichtig, dass der Arzt vorab über die Risiken von Absetz- und möglichen Rebound-Phänomenen aufklärt und bewusst werden lässt, dass ein eigenständiges Absetzen, ohne Absprache mit dem behandelnden Arzt, zu einer Wiederkehr von Symptomen führen kann.

Quellen 

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