Burnout und Depression : Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Burnout und Depression Behandlungsmethoden

Burnout und Depression : Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Burnout und Depression vermutlich hat jeder von ihnen diese Begriffe irgendwann mal in den letzten Jahren gehört, ob im Zusammenhang mit der Arbeit oder der Partnerschaft. Doch was macht Burnout aus und grenzt ihn von anderen, ähnlichen Krankheitsbildern ab?

Der Name Burnout ist im Grunde eine Metapher für einen Zustand der “Ausgebranntheit”, welcher sich vor allem in Erschöpfung und Lustlosigkeit zeigt und aus Überlastung resultiert. Man spricht von Erschöpfung auf physischer, kognitiver und emotionaler Ebene. Betroffene fühlen sich außerdem eventuell entfremdet von sich selbst (Depersonalisation), verzeichnen einen Verlust von Energie und Motivation und fühlen sich zunehmend müde, verbittert und frustriert.

Auf psychischer Ebene verlieren die Betroffenen die Fähigkeit, mit ihrem früheren Enthusiasmus und Idealismus an Aufgaben heranzugehen.

Bis heute konnten sich Experten allerdings nicht auf eine einheitliche Definition einigen. Konsens ist jedoch, dass es sich beim Burnout um einen schleichenden, lang andauernden Prozess handelt.

Nach dem Psychologen Matthias Burisch (1995) verläuft das Störungskonzept des Burnouts in einem phasenhaften Prozess, welcher sich in drei Phasen aufteilen lässt.

Die erste Phase wird aufgrund von vermehrter Aktivität und Euphorie als positiv empfunden. Man fühlt sich “entflammt”. Hier kommt es jedoch auch zum ersten Mal zu Gefühlen von Energieverlust und Müdigkeit. In der zweiten Phase treten vermehrt Desillusionierung und Reduktion von Engagement auf. Aus subjektiver Sicht kommt es außerdem zum Leistungsabfall. In der letzten Phase versuchen die Betroffenen einen Schuldigen zu finden- entweder bei sich selbst oder bei anderen. Im ersten Fall kann es zu Schuldgefühlen, Depressionen und Gefühllosigkeit kommen, im zweite Fall treten Misstrauen, Reizbarkeit und eventuell sogar psychosomatische Beschwerden oder sogar Suizidgedanken auf.

Generell lassen sich die einzelnen Symptome des Burnouts in drei Kategorien einteilen: körperliche Reaktionen und Verhalten, Emotionen und negative Kognitionen. Im folgenden sind einige Beispiele aufgelistet.

Körperliche Reaktionen und Verhaltensmuster:

  • Beklemmung in der Brust, Atembeschwerden
  • Erschöpfung, Müdigkeit und Energiemangel
  • Schlafstörungen
  • Vermehrtes Schwitzen, Nachtschweiß
  • Vaskuläre Beschwerden: Kribbeln
  • Herzrasen/Herzpochen/Herzrhythmusstörungen
  • Libidoverlust und sexuelle Funktionsstörungen
  • Gehäufte Infekte, Verschlechterung von Allergien
  • Gastrointestinale Störungen: Appetitlosigkeit, Blähbauch, Durchfall, Verstopfung
  • Reduzierte Leistungsfähigkeit
  • Tinnitus
  • Sozialer Rückzug
  • Erhöhte Suchtgefahr

Emotionale Reaktionen:

  • Aggressivität
  • Ängste und Panikattacken
  • Apathie
  • Depersonalisierung
  • Depression
  • Emotionale Erschöpfung
  • Frustration, Gereiztheit
  • Innere Unruhe und Anspannung
  • Niedergeschlagenheit
  • Traurigkeit, Lustlosigkeit, Freudlosigkeit

Häufige Kognitionen

  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen
  • Berufsmüdigkeit
  • Innere Kündigung
  • Fehlende Ziele

Die Ursachen für den Burnout sind vielfältig. Nach Freudenberger und seinem Individuenzentrierten Ansatz (1974) erleiden nur Menschen einen Burnout, die sich stark engagieren und mit viel Idealismus an eine Aufgabe herangehen. Die Ursachen für das Ausbrennen liegen laut diesem Ansatz in den Persönlichkeitsmerkmalen der Betroffenen. Zum Beispiel kann es zu Frustration kommen, wenn sich Menschen unrealistische berufliche Ziele setzen.

Der Arbeits-/ und Organisationspsychologische Ansatz (Cherniss, 1980, Enzmann, 1996) setzt den Schwerpunkt auf die Arbeitsumgebung. Hier hängen die Ursachen vermutlich mit Dingen wie Arbeitsbelastung, Rollenstress, fehlender Autonomie, Zeitdruck, schlechten Arbeitsbedingungen und zu viel Verantwortung zusammen.

Nach dem Sozialpsychologischen Ansatz liegen die Ursachen in den gesellschaftlichen Umständen und Wandlungsprozessen (Cherniss 1982). Das Risiko für einen Burnout steigt außerdem, wenn die subjektiven Ideologischen Vorstellungen nicht mehr mit dem Bedeutungsrahmen der Arbeit übereinstimmen (Cherniss & Krantz, 1983).

Vor allem Menschen, die viel mit Menschen arbeiten oder “Helfer” bilden eine Risikogruppe. 2001 stellten Schaarschmidt und Fischer beispielsweise bei 43% der bayerischen Lehrer ein Burnout Syndrom fest. Lehrer sind mittlerweile die am häufigsten betroffene Berufsgruppe. Gründe dafür sind nach einer Selbsteinschätzung, dass ein Lehrer sich um viel zu viele Schüler kümmern muss, an zu hohen und steigenden Stundenkontingenten und schwierigen Schülern (Malanowski & Wood, 1984, Schaarschmidt et al. 2001). Auch Ärzte und Krankenpflegekräfte sind besonders häufig betroffen (Jurkat & Reimer 2001).

Burnout und Depression : Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Aber ist Burnout nun das gleiche wie Stress, Depressionen oder eine Art posttraumatische Belastungsstörung? Die Frage ist durchaus berechtigt, da Überlappungen der Symptome vorkommen können, ja sogar wahrscheinlich sind. Hält man sich die drei wichtigsten Dimensionen des Burnouts vor Augen (emotionale Erschöpfung, Depersonalisation, subjektive Leistungsverringerung) kann man ihn aber abgrenzen. Beim klassischen Stress beispielsweise sind Depersonalisation und subjektive Leistungsverringerung unüblich. Depressionen und Burnout korrelieren zwar sehr stark, vor allem im Faktor der emotionalen Erschöpfung (McKnight 1996), der Burnout beschränkt sich aber meist nur auf einen Lebensbereich (Arbeitsleben oder Partnerschaft), während eine Depression sich in allen Bereichen des Lebens niederschlägt und diese beeinflusst. Eine PTBS ist definiert durch ursächliche traumatische Ereignisse, auf die die Symptome von Betroffenen zurückgeführt werden können. Auch wenn diese den Symptomen des Burnouts ähneln können, handelt es sich doch um zwei völlig verschieden Konzepte.

Burnout Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt eine relativ hohe Anzahl an Behandlungsmöglichkeiten, von Medikation über Jogging, Yoga, Gestalttherapie (Meyer 1991) bis hin zur Musiktherapie (Cheek 2002) oder Psychoanalyse. Leider gibt es kaum Studien, die diese Behandlungen untersucht haben. Laut Higgins (1986) können Entspannungstraining und kognitives Verhaltenstraining aber hilfreich für die Behandlung sein. Aber wie immer gilt: Vorbeugung ist die beste Medizin. Hier sollte vor allem auf arbeitsbezogene Stressoren geachtet werden. Nach Gusy und Kleiber (1998) belegen die meisten Studien, dass gerade eben jene Stressoren (Arbeitsüberfluss, Zeitdruck und Rollenkonflikte) stark mit dem Burnout-Syndrom zusammenhängen.

Es gilt also Stressquellen möglichst genau zu identifizieren und dann individuelle Bewältigungs- und Vermeidungsstrategien zu entwickeln, bzw. zu verbessern. Flexible Arbeitszeit- und Schichtregelungen mit ausreichend Personal und Weiterbildungsangeboten, die Stressbewältigung und ähnliches behandeln, können auch hilfreich sein (Richter & Hacker 1998).

Burnout und Depression: Prävention

Die wirkungsvollste Prävention scheint aber eine realistische Sicht auf die zu erwartenden Aufgaben zu sein. Wer gut einschätzen kann, ob die gestellten Aufgaben in einem bestimmten Zeitraum zu schaffen sind, und nicht mit übermäßigem Engagement und Idealismus an die Sache herangeht, hat gute Chancen, nicht auszubrennen (Fengler 1994, 2002). Burnout kann trotzdem jeden treffen- daher ist es immer ratsam den eigenen Einsatz und Energie realistisch zu dosieren.

Burisch M. (1995). Burnout-Anzeichen, Verlauf, Auslöser. In: Missel, Braukmann. Burnout in der Suchttherapie. Göttingen, Bern, Toronto. Hogrefe.

Cheek J.K.(2002): Utilizing Music techniques to treat teacher burnout: A school counselor’s response to school reform. Ann Arbor, MI: University Microfilms International.

Cherniss C (1980): Professional Burnout in the Human Service Organisation. Praeger New York

Praxis Dr. Pastushenko

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