Überempfindlich? Hochsensibilität begünstigt Ängste und Depressionen
Hochsensibilität begünstigt Depression

Überempfindlich? Hochsensibilität begünstigt Ängste und Depressionen

Der Begriff „Hochsensibilität“ geht zurück auf Elaine Aron. Es handelt sich hierbei um eine nachweisbare Veranlagung, und nicht um eine subjektive Befindlichkeit. Insgesamt wird der Anteil von HSP in der Bevölkerung auf 15-20% geschätzt. Hochsensible Personen (HSP) reagieren aufgrund spezieller neurologischer Strukturen stärker auf interne und externe Reize. Die „Highly Sensitive Person Scale (HSPS)“ ist eine psychometrische Skala, die Hochsensibilität als eindimensionale Struktur erfasst. Sie besteht aus 27 Fragen, die mit ja oder nein beantwortet werden können.

Hochsensibilität lässt sich auf alle Sinne beziehen, gilt aber auch für Eindrücke nicht sensorischer Art. Oftmals ist eine Substanzempfindlichkeit zu beobachten, z.B. bei Koffein, Nikotin, Alkohol oder Medikamenten, aber auch die Neigung zu Allergien. Darüber hinaus erleben einige Hochsensible synästhetische Phänomene, bei denen Sinneseindrücke auf andere, nicht stimulierte Sinnesorgane einwirken. So wird z.B. berichtet über das Wahrnehmen von Farben beim Hören von Tönen und umgekehrt. Dazu kommt die tiefsinnige Interpretation der aufgenommenen Reize.

Wie sind hochsensibile Menschen?

Auf der einen Seite führt das tiefe Erleben der Umwelt dazu, dass HSP über ein besonderes Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen und eine starke Intuition verfügen. Sie besitzen ein hohes Harmoniebedürfnis. Außerdem erledigen sie Aufgaben, die Sorgfalt und das Erkennen von feinen Unterschieden erfordern, schnell und gewissenhaft. Andererseits fühlen sich Hochsensible oft von den intensiven Eindrücken überwältigt. Durch ihre lebhafte Vorstellungskraft, stellen kreative Tätigkeiten einen optimalen Umgang mit der Reizüberflutung für sie dar. Das übermäßige Verarbeiten von Reizen kann jedoch schnell zu Erschöpfung führen. Des Weiteren neigen HSP zu Überinterpretationen, da sie viel über ihre Umwelt nachdenken. Das hat zur Folge. dass sie schnell durch die Launen anderer beeinflussbar sind.

Hochsensibilität kann andere Krankheiten begünstigen

Sensibilität ist keine Krankheit, kann aber Ängsten und Depressionen begünstigen. Nach Pfeifer stellen verminderte Genussfähigkeit, Beziehungsfähigkeit und Lebensbewältigung Anzeichen dar, dass Sensibilität zur Krankheit geworden ist. Oft ist es ein belastendes Erlebnis, das eine Krise auslöst. Jeder Mensch wird krank, wenn er dauerhaft Stress oder Überreizung ausgesetzt ist. HSP kommen jedoch, aufgrund spezieller Verarbeitung von Eindrücken, schneller an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Mögliche Krankheiten, an denen sensible Menschen leiden können sind Zwangsstörungen, Somatisierungen, Emotionale Instabilität, vegetatives Syndrom, Migräne, Reizdarm, Anorexie, Bulimie, Dysthymie, Depression, Erschöpfung, Hyperaktivität, Reizbarkeit oder Angststörungen. Eine schwierige Kindheit begünstigt nach Aron die Ausprägung negativ assoziierter Symptome im Erwachsenenalter.   

Hochsensibilität ist eine Gabe und kein Fluch! Sich verstehen und Lebensqualität zurückgewinnen

Eine erste Beschäftigung mit der Thematik verschafft Betroffenen oft Erleichterung, da sie dadurch mehr Selbsterkenntnis gewinnen. Sie beginnen zu verstehen wie Hochsensibilität mit anderen Persönlichkeitseigenschaften zusammen passt und wie sich gesellschaftliche Anforderungen darauf auswirken. Außerdem lernen sie ihren Körper besser kennen und verstehen, dass sie sich eingestehen müssen, dass sie Zeiten der Ruhe, Entspannung und des Rückzugs brauchen. Nach dieser Erkenntnis kann die Vergangenheit vor dem Hintergrund der eigenen  Hochsensibilität neu bewertet werden. Anschließend kann das Verhaltensrepertoire um Verhaltensweisen erweitert werden, die den Abbau von Gefühlsstaus und Anspannungen fördern. Diese Punkte werden im Rahmen einer Psychotherapie erarbeitet.

Das Ziel bei der kognitiv-behavioristischen Therapie ist es, bestimmte Symptome, die auf fehlerhaften kognitiven Prozessen basieren, abzuwenden. Dafür wird auf Entspannungstechniken oder Biofeedback zurückgegriffen. So gelingt ein sukzessives Heranführen an bestimmte Ängste. Um Verhaltensweisen zu festigen, wird wünschenswertes Verhalten durch Belohnung verstärkt. Bei der Therapie ist es sinnvoll körperliche Komponenten mit einzubeziehen. Sportliche Aktivitäten wie Yoga, Tai Chi oder Tanzen, aber auch Massagen oder Akupressur sind förderlich die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und somit die Genesung. Aufgrund der erhöhten Sensibilität ist zu der Behandlung mit Psychopharmaka nur in Ausnahmefällen zu raten, da es schnell zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann. Außerdem sollte die Psychotherapie dem zudeckenden Psychotherapieprinzip folgen. Das aufdeckende Prinzip wurde als weniger hilfreich bis schädlich identifiziert, da HSP sowieso dazu neigen viel zu grübeln. Autogenes Training, das zu inner Ruhe beiträgt, stellt die bessere Alternative dar. Da Hochsensible meistens ein kreatives Potenzial in sich tragen, sollten auch diese Elemente in die Therapie mit einbezogen werden.

Praxis Dr. Pastushenko

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