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Schematherapie und Modusmodell

Schematherapie: Lebensfalle verstehen Lebensmuster überdenken

Mit Schematherapie Lebensfallen verstehen und Lebensmuster überdenken

Die Schematherapie geht davon aus, dass überwiegend in Kindheit und Jugend, wichtige Bedürfnisse (z.B. nach Bindung, Autonomie) nicht erfüllt wurden. Unter solchen Bedingungen entstehen dysfunktionale Verhaltensmuster, die sogenannte Schemata. Das sind starre und dys­funktionale Lebensmuster (und deshalb auch «Lebensfallen» genannt werden), die Patienten in der zufriedenstellenden Gestaltung ihres Le­bens behindern. Als Schema-Modi ( kurz Modi) werden dominierende emotionale Zustände (zum aktuellen Zeitpunkt) bezeichnet.

Die wesentlichen Ziele der Schematherapie bestehen darin, den dysfunktionalen Kindmodi, den dysfunktionalen Elternmodi, die dysfunktionalen Bewältigungsstrategien zu begrenzen und den Modus des gesunden Erwachsenen zu fördern.

Die vier Grundelemente des Modus-Modells / der Schematherapie sind:

1) Bewältigungsmodi (Ebene Verhalten)

Bewältigungsmodi sind Instrumente, die den Umgang mit den dysfunktionalen Verhaltensweisen und Empfindungen, die durch die Schemata verursacht wurden, erleichtern (Faßbinder et al., 2016).  Auch Damm (2010) bezeichnet diese als dem Betroffenen unbewusste Hilfsinstrumente mit der Funktion, die dysfunktionalen Schemata abzuwenden. Weiter begründet er das Auftreten der dysfunktionalen Bewältigungsmodi in einem Spannungsverhältnis zwischen den Kind- und Elternmodi.

In der Schematherapie wird zwischen der Unterwerfung, der Vermeidung und der Überkompensation unterschieden.

Unterwerfung

Im Modus der Unterwerfung benimmt sich der Betroffene überwiegend passiv und leistet keinen Widerstand gegen Andere, auch wenn dies nicht mit ihren Wünschen übereinstimmt. Somit ermöglichen sie es anderen Personen, über ihr Verhalten zu bestimmen (Faßbinder et al., 2016). Nach Damm (2010) nehmen die Betroffenen ihr Schema an und verhalten sich diesem entsprechend, sodass schädigende Situationen immer wieder entstehen, ohne dass sie von dem Betroffenen willentlich hervorgerufen werden. Auch Mertens und Zimmek (2021) beschreiben, dass der Betroffene die Aussagen der dysfunktionalen Elternmodi einfach in seine Selbstwahrnehmung aufnimmt.

Vermeidung

Der Modus der Vermeidung ist dadurch charakterisiert, dass die Betroffenen ihr Leben danach richten das Auftreten einer möglichen Situation, in der vorliegende Schemata aktiviert werden könnten, zu beschränken, was dann zur sozialen Isolation führen kann (Damm, 2010). Nach Mertens und Zimmek (2021) versucht der Betroffene die Empfindung von negativen Gefühlen abzuwenden und distanziert sich so von emotional aktivierenden Kontexten.

Der Modus der Vermeidung wird in fünf verschiedene Arten unterteilt.

·         Im vermeidenden Selbstschutz Modus werden Situationen, die starke Gefühle hervorrufen könnten, aktiv gemieden. Dies betrifft insbesondere soziale Situationen (Faßbinder et al., 2016).

·         Im distanzierten Selbstschutz Modus vermeidet der Betroffene die Konfrontation mit Emotionen durch Vermeidungsverhalten wie Substanzgebrauch oder Entfremdung (Faßbinder et al., 2016). Der Betroffene zieht sich zurück und weicht aufkommenden Emotionen aus (Damm, 2010).

·         Im wütenden Selbstschutz Modus hält der Betroffene sein gegenüber durch aggressives Verhalten auf Abstand (Damm, 2010).

·         Im klagsamen Selbstschutz Modus spalten sich die Betroffenen durch klagende Äußerungen von emotionalen Schmerzen ab (Faßbinder et al., 2016).

·         In der Selbstberuhigung beschäftigt sich der Betroffene mit Aktivitäten, die für ihn positiv sind, um von dem eigentlichen emotionalen Zustand abgelenkt zu werden. Dies können Aktivitäten wie übermäßiger Konsum von Nahrung, Computerspielen, Sport oder Glückspiel sein (Faßbinder et al., 2016). Der Betroffene bewirkt somit mit externen Mitteln eine Spannungsreduktion, die zur Selbstberuhigung führt (Damm, 2010).

Überkompensation

Im Modus der Überkompensation versucht der Betroffene, die jeweilige Situation zu kontrollieren und verhält sich im genauen Gegenteil zu seinen vorherrschenden Eltern- und Kind-Modi (Faßbinder et al., 2016). Das vorliegende Verhaltensmuster wird also nicht nur übergangen, wie bei der Vermeidung, sondern auf einer anderen Ebene bearbeitet (Damm, 20109.

Dieser Modus wird in sieben Arten unterschieden.

·         Wenn sich der Betroffene im Sinne der Selbstüberhöhung verhält, kommt dies meist einem übermäßigen selbstbewussten Charakter gleich, der sich gegenüber anderen abwertend benimmt (Faßbinder et al., 2016). Die Betroffenen machen den Eindruck, dass ihnen notwendige Empathie fehlt (Damm, 2010).

·         Bei der übermäßigen zwanghaften Kontrolle empfindet der Betroffene eine ständige Bedrohung und versucht sich so, durch Wachsamkeit und dem Drang nach Perfektionismus zu schützen (Faßbinder et al., 2016). Der Betroffene kontrolliert dabei das Verhalten von anderen und von sich selbst (Damm, 2010).

·         Auch bei der übermäßigen misstrauischen Kontrolle versucht sich der Betroffene durch Kontrolle zu schützen, jedoch bezieht sich hier die Annahme einer Bedrohung konkret auf mögliche negative Intentionen anderer Menschen gegenüber dem Betroffenen (Faßbinder et al., 2016)

·         Bei der Suche nach Aufmerksamkeit und Bestätigung versuchen die Betroffenen Anerkennung von anderen zu bekommen und stellen die eigene Person somit in den Mittelpunkt des Geschehens (Faßbinder et al., 2016).

·         Bei dem Modus Schikane und Angriff wollen die Betroffenen die Kontrolle, und somit Schutz, behalten, indem sie sich so verhalten, dass andere Personen von ihnen eingeschüchtert werden (Faßbinder et al., 2016). Im Vergleich zum Modus der Selbsterhöhung ist das negative Verhalten gegenüber anderen erhöht (Damm, 2010).

·         Wenn sich der Betroffene im Sinne der Falschheit oder Verschlagenheit verhält, versucht er andere zu beeinflussen, um seine eigene Zielerreichung zu gewährleisten (Faßbinder et al., 2016).

·         Auch im Ausnutzer-Modus versucht der Betroffene, seine eigenen Wünsche durchzusetzen, indem er andere Personen benutzt (Faßbinder et al., 2016).

2) Kindmodi (Emotionen)

Wenn in diesem Modi bestimmte Schemata aktiv werden, verhalten sich die Betroffenen so, wie sie es wahrscheinlich in ihrer Kindheit getan haben, was sich auch in ihrer äußeren Erscheinung widerspiegelt (Mertens & Zimmek, 2021). Die Kind-Modi entstammen aus den ersten Lebensjahren, werden aber auch noch im Erwachsenenalter durch bestimmte Situationen aktiv (Damm, 2010).

Die dysfunktionalen Kind-Modi unterteilen sich in drei Gruppen; die verletzten, traurigen Kind-Modi, die ärgerlichen, wütenden Kind-Modi und die impulsiven, undisziplinierten Kind-Modi (Faßbinder et al., 2016).

·         Innerhalb der verletzten, traurigen Kind-Modi wird zwischen dem Modus des einsamen Kindes, dem Modus des verletzten, verlassenen Kindes und dem Modus des abhängigen Kindes unterschieden. Allen drei Modi ist gemeinsam, dass die äußere Erscheinung des Betroffenen eher traurig, unsicher und kraftlos ist (Mertens & Zimmek, 2021).

o        Der Modus des einsamen Kindes kennzeichnet sich durch ein Gefühl von Einsamkeit und Unbeliebtheit, während der Modus des verletzten, verlassenen Kindes Verlustängste und Gefühle der Wertlosigkeit dominieren. Im Modus des abhängigen Kindes fühlen sich die Betroffenen überfordert und geben die Verantwortung ab (Faßbinder et al., 2016).

·         Innerhalb der ärgerlichen, wütenden Kind-Modi wird zwischen dem Modus des ärgerlichen Kindes und dem Modus des wütenden Kindes unterschieden (Faßbinder et al., 2016). Den beiden Modi ist gemeinsam, dass der Betroffene einen aggressiven, angespannten Eindruck macht (Mertens & Zimmek, 2021).

o        Der Modus des ärgerlichen Kindes zeichnet sich durch eine problematische Ausdrucksweise von ärgerlichen Gefühlen aus, während der Modus des wütenden Kindes sich durch das Fehlen von Kontrolle über die eigenen Emotionen auszeichnet (Faßbinder et al., 2016).

·         Die impulsiven, undisziplinierten Kind-Modi beinhalten den Modus des impulsiven Kindes und den Modus des undisziplinierten Kindes (Faßbinder et al., 2016). Den beiden Modi ist gemeinsam, dass der Betroffene sich sehr unruhig verhält, was auch seiner inneren Empfindung entspricht (Mertens & Zimmek, 2021).

o        Im Modus des impulsiven Kindes agieren Betroffene ohne Rücksicht auf negative Konsequenzen, um ihre Bedürfnisse durchzusetzen, während im Modus des undisziplinierten Kindes auf Grund von kaum vorhandenen Durchhaltevermögen eine langfristige Zielerreichung erschwert wird (Faßbinder et al., 2016).

3) Kritiker Modi/ Elternmodi (Ebene Gedanken)

Die dysfunktionalen Elternmodi haben sich innerhalb der Entwicklung des Betroffenen festgesetzt, indem diese Verhaltensweisen von den Bezugspersonen wiederholt angewendet wurden (Damm, 2010). Diese entstehen durch die erlebten Verhaltensweisen von Bezugspersonen gegenüber den Betroffenen in der Kindheit und wurden so als wiederkehrende Gedanken verinnerlicht (Faßbinder et al., 2016).

Sie unterteilen sich in den strafenden Modus, den leistungsfordernden Modus und den emotional fordernden Modus.

Strafender Modus

Im strafenden Modus sind die Betroffenen der Ansicht, sich selbst maßregeln zu müssen, da sie sich für die verschiedensten Ereignisse die Schuld geben und ein sehr negativ geprägtes Selbstbild haben (Faßbinder et al., 2016). Die Gestiken und Mimiken der Betroffenen sind meist kraftlos und eher demütig (Mertens & Zimmek, 2021). Dieser Modus steht gegen die Kind-Modi (Faßbinder et al., 2016). In diesem Modus können die Betroffene selbstverletzende Gedanken haben und diese auch ausführen oder anderweitige Mittel, um sich selbst zu bestrafen, einsetzen (Damm, 2010).

Leistungsfordernder Modus

Im leistungsfordernden Modus haben die Betroffenen zu hohe Leistungsansprüche an sich selbst und fühlen sich wertlos bei Nichterreichung der selbst gesetzten Ziele (Faßbinder et al., 2016). Sie haben eine sehr gerade, angestrengte Körperhaltung (Mertens & Zimmek, 2021).

Emotional fordernde Modus

Der emotional fordernde Modus ist davon geprägt, dass die Betroffenen sich bestimmt fühlen, für andere viel Verantwortung zu übernehmen (Faßbinder et al., 2016). Im Gegensatz dazu, ignorieren sie ihre eigenen Bedürfnisse und rücken die der anderen Personen in den Vordergrund. Bei der nicht Einhaltung nach diesem Modi werden die Betroffenen von Schuldgefühlen geplagt (Faßbinder et al., 2016).

4) Gesunder Erwachsener Modi/Fröhliches Kind Modi als Ziel der Schematherapie

Gesunder Erwachsener Modi

Im Modus des gesunden Erwachsenen können die Betroffenen angemessen mit Problemen umgehen und Gefühle, sowie Wünsche, akzeptieren (Faßbinder et al., 2016). In der Schematherapie wird dieser Modus gestärkt (Damm, 2010). Dieser Modus setzt den dysfunktionalen kindlichen Modi Grenzen und bewahrt diese gleichzeitig vor dem strafenden Elternmodus (Damm, 2010). Damm (2010) schreibt dem Modus des gesunden Erwachsenen die Fähigkeit zu, Spannungen zwischen den Eltern- und Kind-Modi auszugleichen. Somit lernen die Betroffenen, die Bewältigungsmodi nicht mehr anwenden zu müssen (Faßbinder et al., 2016). Der Modus des gesunden Erwachsenen soll die anderen Modi wahrnehmen und richten (Damm, 2010). Mertens und Zimmek (2021) beschreiben, dass sich der Betroffene im Modus des gesunden Erwachsenen harmonisch um die Anteile der verletzten Kind-Modi kümmert und einen gefestigten äußeren Eindruck macht.

Fröhliches Kind Modi

Im Modus des fröhlichen Kindes darf sich der Betroffene die Freiheit, Spaß und Auslastung zu finden, nehmen und dies ausleben (Faßbinder et al., 2016). Dieser Modus ist charakterisiert durch ein allgemein positives Wohlbefinden und Gefühl der Zufriedenheit (Damm, 2010). Der Betroffene macht in diesem Modus einen gelösten, freundlichen äußeren Eindruck (Mertens & Zimmek, 2021).

 

Durch klicken auf den Link gelangen Sie zu den Kontrollfragen. Sie können diese Kontrollfragen beantworten, um sich selbst besser kennenzulernen. Sie können damit Ihre dysfunktionale Modi identifizieren und funktionale Modi entdecken. 

 

Schematherapie bei Dr. Pastushenko Neurologie und Psychotherapie Dortmund

Schematherapie Therapeuten Dortmund

  • Die Patienten lernen Ihre Schemata und Modi zu identifizieren und die eigenen Schwierigkeiten nicht als persönliches Versagen sondern Ausdruck unerfüllter zentraler Bedürfnisse zu verstehen.
  • Durch das Erlernen von Techniken zur Veränderung ungünstiger Schemata und Modi werden diese geschwächt und günstigstenfalls geheilt. Hierfür ist die Erfüllung nicht befriedigter Grundbedürfnisse im Rahmen der therapeutischen Beziehung von eminenter Bedeutung.
  • Durch empathische Konfrontation werden impulsive, ärgerliche oder überkompensierende Schemata und Modi begrenzt und strafende, überkritische Modi bekämpft.
  • Die Patienten lernen das Übertragen des Erlernten im Alltag.

Schematherapie Therapeuten Dortmund

Dr. med. Vadym Pastushenko

Neurologe und Psychotherapeut Dortmund